Datenfallen Facebook, Google+ und Co
Hamburg (dapd). Die Fotos vom Wochenendtrip kamen ein junges Paar in den USA teuer zu stehen. Denn die hatten sie noch w?hrend ihres Kurzurlaubs auf Facebook gepostet. Als sie wiederkamen, war ihr Haus ausger?umt. “Wer das Haus ausrauben will, hat alles was er braucht: die Adresse. Und er wei? eventuell sogar, wann jemand zurückkommt”, kommentiert er Stefan Tanase. Der Sicherheitsexperte ist Senior Security Researcher beim Antivirenspezialist Kaspersky Lab und kümmert sich unter anderem um die Bedrohungen, die von Facebook, Twitter, und neuerdings Google+ ausgehen. Der Urlaubsposting-Fall ist eines von vielen Beispielen, wie Daten und Informationen in sozialen Netzwerken missbraucht werden k?nnen.
Vor der Weitergabe derartiger Informationen warnt auch der schleswig-holsteinische Datenschützer Thilo Weichert, der den Nutzern “Datensparsamkeit” empfiehlt. Dabei gebe es durchaus Unterschiede zwischen den Anbietern sozialer Netzwerke bezüglich der gesammelten Datenmenge. “Die Einstellungen und die Technik sind unterschiedlich. Insofern sehe ich bei den VZ-Netzwerken und bei Xing nicht so gro?e Datenschutzprobleme wie bei Facebook und in geringerem Ma?e bei Google+”, sagt Weichert.
Das Erstellen umfassender Profile, mit Hilfe derer dann zielgerichtete Werbung eingeblendet werden kann, geschehe in der “extremsten Form” bei Facebook. Wie das bei Google+ sei, wisse man noch nicht so genau, weil es noch keine detaillierten Untersuchungen dazu gebe. Immerhin verhaltenes Lob gibt es von Stefan Tanase für die Datenschutzeinstellungen in Google+: “Die sind viel leichter erreichbar als bei Facebook.” Positiv sei auch, dass Nutzer von Google+ ihre Kontakte in sogenannten “Circles” organisieren k?nnen, denen sie unterschiedlich viele Informationen zug?nglich machen k?nnen.
Tanase empfiehlt besonders Nutzern von Facebook, eine Gruppe mit begrenztem Zugang einzurichten, in die Freunde kommen, die man nicht gut kennt. “Die k?nnen dann meinen Namen sehen, mein Profilfoto und das war es dann schon fast”, erg?nzt er. Dies geht Datenschützer Weichert schon zu weit, stattdessen r?t er zum Pseudonym: “Das wird zwar von Anbietern wie Google oder Facebook untersagt, doch niemand ist faktisch gehindert, mehrere Konten einzurichten.” Auch ihn finde man in Facebook nicht unter seinem richtigen Namen, sagt Weichert. Der Anbieter habe eine gesetzliche Pflicht, Pseudonyme zu erm?glichen.
Nicht nur für den Nutzer selbst, sondern auch für seinen Arbeitgeber k?nne allzu gro?e Offenheit in sozialen Netzwerken gef?hrlich werden, gibt Virenspezialist Tanase zu Bedenken. “Manche teilen so viele Informationen über ihren Arbeitgeber mit, dass das Unternehmen Opfer einer Cyberattacke werden kann”, sagt er und nennt als konkrete Beispiele Arbeitszeiten, Einzelheiten über Firmen- Laptops und EDV-Systeme. Wenn dann auch noch Namen von Mitarbeitern bekannt seien, sei es einfacher, Mails mit Trojanern ins System einzuschleusen.
Um das zu verhindern, müsse man seinen gesunden Menschenverstand einsetzen, empfiehlt Tanase. “Wenn Du den leisesten Zweifel hast, ob etwas ver?ffentlicht werden soll, dann lass es lieber”, bringt er es auf den Punkt. Schlie?lich sei eine einmal im Internet kursierende Information kaum noch zurückzuholen. Hoffnungen, dass der Datenschutz bei Facebook und Co ?hnlich wie bei einem Virenscanner mittels Software verbessert werden kann, zerschl?gt der Entwickler. “Soziale Netzwerke ver?ndern sich andauernd und damit auch die Einstellungen zur Privatsph?re”, fügt er an. Datenschützer Weichert sieht die sozialen Netzwerke in der Pflicht, den Datenschutz zu gew?hrleisten: “Wieso das von Dritten einfordern, wenn der Anbieter das selbst tun kann und muss?”
Dennoch k?nnen die Nutzer selbst auch etwas für die eigene Sicherheit tun. Die Website pleaserobme.com zum Beispiel sch?rft die Sensibilit?t für den Schutz eigener Daten. Der kostenlose Dienst scannt nach dem Einloggen das eigene Twitter-Profil nach Meldungen, in denen man den aktuellen Standort verr?t. Dies wiederum k?nnte Dieben verraten, wann man nicht zu Hause ist.
dapd