Microsoft: Mit Ironie gegen Softwarepiraterie
Microsofts neue Software hei?t “Windows 7 Ultimate Pirate Edition”, verfügt laut Hersteller “standardm??ig über extra gro?e Sicherheitslücken im XXL-Format, das Add-on, Trojaner 4.0 sowie ein automatisches Viren-Update”. Das neue “BlueScreen-Design im anheimelnden Nostalgie-Look” mache zudem “den Computer-Absturz zu einem romantischen Erlebnis der Extraklasse”. Gerade eben hat Microsoft das neue Programm in einem Werbespot auf “You Tube” der Welt?ffentlichkeit vorgestellt, Preis und Ver?ffentlichungstermin sind, wie gewohnt, noch nicht bekannt.;
Doch warum ist bisher nirgendwo, wie sonst monatelang üblich, wenn Microsoft etwas Neues plant, über das Programm spekuliert worden? Ganz einfach: Die “Windows 7 Ultimate Pirate Edition” ist reine Ironie, entstanden in den Marketingstuben des weltweit gr??ten Softwarekonzerns. Denn wer will schon ein Programm voller Sicherheitslücken erwerben, das Schadsoftware gratis mitliefert und jeden PC in die Knie zwingt?
“Windows 7 Ultimate Pirate Edition” ist Microsofts n?chster Versuch im unermüdlichen Kampf gegen die Plage der Softwarepiraterie, die die Branche und damit auch viele Volkswirtschaften seit Jahren um Milliardenbetr?ge prellt. “Die Reduzierung von Softwarepiraterie birgt sowohl für Schwellenl?nder wie Brasilien, Russland, Indien und China als auch für Industrienationen wie Deutschland enormes Wachstumspotenzial in Milliarden-Dollar-H?he”, versucht der Konzern die schlechte Nachricht auch noch positiv darzustellen. “Das Potenzial von mehr als 1,5 Milliarden US-Dollar pro Jahr für die Volkswirtschaften dieser L?nder sollte Grund genug sein, fair zu spielen, ganz unabh?ngig von allen anderen von Softwarepiraterie ausgehenden Gefahren für Unternehmen”, betont David Finn, Associate General Counsel bei Microsoft und weltweit zust?ndig für Produktpiraterie.
Dass die Raubkopierer nicht nur Schwellenl?nder, sondern gerade auch die deutsche Wirtschaft sch?digen, soll eine weitere Studie verdeutlichen: Nach der “Piracy Study 2010″ der Business Software Alliance würde eine Reduzierung der Piraterierate in Deutschland um zehn Prozent innerhalb weniger Jahre 12 000 neue Arbeitspl?tze schaffen, zu 1,7 Milliarden Euro an zus?tzlichen Steuereinnahmen führen und der deutschen Wirtschaft gut acht Milliarden Euro mehr Umsatz bringen.
Neben dem gesamtwirtschaftlichen Schaden, der durch gef?lschte Software verursacht wird, stellt der Gebrauch und Handel von Raubkopien andererseits auch für die Verbraucher ein immenses Sicherheitsproblem dar – worauf der ironische Werbespot letztlich abzielt. Denn illegal kopierte Anwendungen enthalten h?ufig sch?dliche Programme wie etwa Spyware und Viren, die die Unwissenheit der Anwender ausnutzen. Es entstehen Sicherheitslücken, die den Diebstahl von Identit?ten und pers?nlichen Daten erleichtern und hohe Kosten für den Nutzer nach sich ziehen k?nnen.
Nicht selten stecken hinter Raubkopien kriminelle Gruppen, die sogenannte Botnets einsetzen, um über Datennetze fremde Computer fernzusteuern und illegale Gesch?fte über das Internet zu betreiben. Das best?tigt eine Studie des Analystenhauses IDC, der zufolge bei 25 Prozent aller illegalen Downloads aus dem Internet nicht nur die raubkopierte Software selbst herunter geladen wird, sondern – unbewusst – auch sch?dliche Software auf Rechnern installiert werden.